Cannabis in Deutschland - Gesetze, Konsum und Geschichte

Cannabis in Deutschland - Gesetze, Konsum und Geschichte

Es ist illegal, Cannabis in Deutschland zu konsumieren, obwohl das Gesetz kleine Mengen für den Privatgebrauch toleriert. Einige Politiker drängen auf eine vollständige Entkriminalisierung, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung ungewöhnlicherweise nicht dafür ist. Der medizinische Cannabis Markt des Landes floriert jedoch, und bis 2020 soll einheimischer medizinischer Cannabis geerntet werden.

 

Cannabis-Gesetze in Deutschland

Kann man in Deutschland Cannabis besitzen und konsumieren?

Der Besitz von Cannabis in Deutschland ist nach dem Betäubungsmittelgesetz illegal. Technisch gesehen kann der Täter, wenn er im Besitz von Drogen erwischt wird, mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Der Konsum von Cannabis wird jedoch nicht als Straftatbestand aufgeführt. Das Gesetz bietet eine Reihe von Alternativen zur Strafverfolgung, wenn der Täter mit kleinen Mengen Cannabis für den persönlichen Gebrauch erwischt wird. Über diese Alternativen wird auf der Grundlage entschieden:

  • Die Beteiligung anderer
  • Die Vorgeschichte des Täters
  • Ob die Öffentlichkeit von der Strafverfolgung des Einzelnen profitieren würde oder nicht

In den meisten Fällen gehen die deutschen Behörden nach dem Grundsatz "Behandlung vor Strafe" vor und verschieben oder annullieren oft die Haftstrafen, wenn der Täter einer Behandlung zustimmt.

Was ist eine 'kleine Menge' Cannabis?

1994 wies das Bundesverfassungsgericht auf die Verwirrung um den Begriff "kleine Summe" hin. Damals gab es in allen deutschen Bundesländern unterschiedliche Auslegungen des Begriffs "kleiner Betrag". Der Bundesgerichtshof entschied, dass bei der Entscheidung, ob eine Menge Cannabis klein ist oder nicht, nicht das Gewicht, sondern die Menge und die Potenz zu berücksichtigen sind. So kann zum Beispiel eine "kleine Menge" Cannabis 7,5 Gramm THC (die Substanz, die für den "High" verantwortlich ist) oder weniger enthalten.

Es ist anzumerken, dass einige deutsche Bundesländer toleranter als andere sind, was den begrenzten persönlichen Cannabiskonsum betrifft.

In diesen Fällen muss der Einzelne nachweisen können, dass das Cannabis ausschließlich für den privaten Konsum bestimmt war und nicht an andere verkauft oder geliefert werden sollte. Darüber hinaus muss ersichtlich sein, dass kein Risiko bestand, jemand anderem Schaden zuzufügen (z.B. wenn während des Konsums ein Minderjähriger in der Nähe war).

Die Menge, die "für den persönlichen Gebrauch" ausmacht, variiert von Bundesland zu Bundesland - von sechs Gramm (in den meisten Orten) bis zu 15 Gramm in Berlin.

Kann man Cannabis in Deutschland verkaufen?

Der Verkauf und die Lieferung von Cannabis in Deutschland wird als schwerwiegenderes Vergehen angesehen. Wird der Täter erwischt, kann er nach dem Betäubungsmittelgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Der Strafrahmen wird bei Vorliegen anderer erschwerender Umstände um ein bis zwei bzw. fünf bis 15 Jahre erhöht. Zum Beispiel:

  • Wenn das Cannabis an Minderjährige geliefert wurde
  • Wenn Minderjährige an dem Verkauf oder der Lieferung beteiligt waren
  • Wenn große Mengen Cannabis gefunden wurden
  • Wenn die Person als Teil einer Bande operiert hat
  • Wenn Waffen gefunden wurden

Kann man Cannabis in Deutschland anbauen?

Es ist illegal, Cannabis in Deutschland anzubauen, und Straftäter erhalten die gleichen Strafen wie beim Verkauf oder bei der Lieferung.

Trotzdem hat die deutsche Regierung das gewinnbringende Potenzial des inländischen Cannabisanbaus erkannt. Zu Beginn des Jahres 2019 hieß es in einer offiziellen Pressemitteilung, dass 79 Bieter Angebote für den Anbau von medizinischem Cannabis im Land abgegeben hätten; der endgültige Vertrag wurde zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr vergeben.

Ist die CBD in Deutschland legal?

Nach EU-Recht ist es legal, CBD zu verwenden, zu kaufen und zu verkaufen (solange es weniger als 0,2% THC enthält). Beachten Sie jedoch, dass das Gesetz einige Unklarheiten enthält. Es ist legal, ein CBD-Produkt in einem Geschäft zu kaufen, aber andere Formen von Cannabisprodukten mit niedrigem THC-Gehalt sind es möglicherweise nicht.

Ein Hanf-Barbesitzer beispielsweise muss sich wegen des Verkaufs getrockneter Hanfblüten in einem Tee vor Gericht verantworten und wartet derzeit auf seinen Prozess. Hanf gilt als THC-arm, und es ist unklar, ob der Konsum von Hanf in dieser Form verboten ist oder nicht.

CBD-Öl

Können Cannabis-Samen nach Deutschland geschickt werden?

Deutschland ist das einzige europäische Land, das den Verkauf von Cannabis-Samen verbietet. Als Teil der EU hält es sich jedoch an den Grundsatz des "freien Warenverkehrs", was bedeutet, dass der Versand von Cannabis-Samen nach Deutschland legal ist. Das gilt auch für die Online-Bestellung, solange sie nicht zum Anbau von Cannabispflanzen verwendet werden.

Medizinischer Cannabis in Deutschland

Deutschland hat 2017 eine neue Gesetzgebung eingeführt, die den Gebrauch von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt. Seitdem ist es zum größten medizinischen Cannabismarkt in Europa herangewachsen.

Ursprünglich nahm das Gesetz nur Anträge von etwa 1.000 Patienten an. Bis November 2018 war diese Zahl auf 40.000 angestiegen. Damit ist das deutsche Programm für medizinischen Cannabis eines der robustesten auf dem Kontinent. Gegenwärtig übernehmen rund zwei Drittel der Krankenkassen die Kosten für Patienten, denen medizinischer Cannabis verschrieben wurde.

Bis 2019 war Deutschland zur Deckung des Bedarfs seiner Patienten ausschließlich auf importierte Cannabisprodukte aus dem Ausland angewiesen. Dies führte zu Problemen, da das Angebot in der Regel nicht der Nachfrage entsprach. Die Situation wird sich jedoch ändern, wenn das Land die Entwicklung seiner heimischen Industrie vorantreibt.

Die erste Ernte von medizinischem Cannabis in Deutschland wird für Ende 2020 erwartet.

Verfügbare Medikamente

In Deutschland stehen den Patienten derzeit drei medizinische Cannabisprodukte zur Verfügung. Dies sind Sativex, Dronabinol und Nabilon. Sie sind jedoch alle teuer, was bedeutet, dass einige Patienten sie sich nicht leisten können (es sei denn, sie werden von ihrer Krankenkasse übernommen).

Es gibt auch die Möglichkeit, Cannabisblüten zu erhalten, die von Bedrocan, Tweed und Aurora produziert werden. Diese Blumen können auf eigene Kosten des Patienten in der Apotheke gekauft werden.

Einholen eines Rezeptes

Für Patienten kann es schwierig sein, ein Rezept für medizinischen Cannabis zu erhalten. Mediziner sind bei der Ausstellung von Rezepten vorsichtig, da sie der medizinischen Wirkung von Cannabis skeptisch gegenüberstehen oder immer noch glauben, dass der Gebrauch von Cannabis ein Tabu darstellt. Sie stoßen auch auf erhebliche Hürden, wenn sie die Genehmigung der Krankenkassen einholen.

Ein weiteres Hindernis ist die Zurückhaltung des Deutschen Gesundheitsfonds bei der Versicherung von Arzneimitteln im Allgemeinen. Da sie derzeit nur Cannabisblüten akzeptiert, sind die Kosten hoch (insbesondere im Vergleich zu anderen Formen der Cannabismedikation).

Industriehanf in Deutschland

Der Hanfanbau wurde 1982 illegalisiert. Dieses Verbot dauerte jedoch nur vierzehn Jahre. Im Jahr 1996 wurde der Hanfanbau wieder erlaubt - vor allem aufgrund von weitreichenden Protesten von Bauern, Wissenschaftlern und Enthusiasten.

Seither schwankt der Hanfanbau. So wurden 1996 beispielsweise 3.500 Hektar für Hanf genutzt, plus 750 Hektar von der niederländischen Firma HempFlax. Bis 2011 wurde dieser Anbau praktisch eingestellt.

In den darauf folgenden Jahren erholte sich der Hanfmarkt. Heute gehört Deutschland zu den fünf größten Produzenten in Europa, obwohl seine Ernteerträge durch das benachbarte Frankreich in den Schatten gestellt werden.

Nutzhanf

Politik und Hanf

Die Christlich-Demokratische Union (unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel) hat sich historisch gesehen gegen die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. In der Tat wollen einige Abgeordnete der Partei, dass die bestehenden Gesetze verschärft und nicht gelockert werden.

Andere Parteien, wie z.B. die Grünen, nehmen die gegenteilige Haltung ein und fordern eine Entkriminalisierung von Cannabis. Im Jahr 2017 schlugen sie einen Gesetzentwurf vor, das Cannabiskontrollgesetz. Darin wurde nicht nur die Legalisierung des Freizeitkonsums vorgeschlagen, sondern auch ein regulierter Markt für den Anbau, Import, die Verarbeitung und den Verkauf der Droge skizziert.

Tatsächlich befürworten bis auf die Christlich-Demokratische Union und die rechtsextreme AfD alle im Bundestag vertretenen Parteien die Legalisierung des Freizeitkonsums von Cannabis. Einige Politiker sind sogar noch weiter gegangen. So forderte beispielsweise die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann die Eröffnung von Cannabis-Cafés nach niederländischem Vorbild in Berlin.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Deutschland reisen (oder derzeit dort leben), könnte es Sie interessieren, Folgendes zu erfahren:

  • 13,3% der jungen Erwachsenen (im Alter von 15 bis 34 Jahren) haben im letzten Jahr Cannabis konsumiert.
  • Cannabis und Cannabisharz (Haschisch) sind die beiden am häufigsten beschlagnahmten Drogen.
  • Die Mehrheit der Deutschen ist gegen die Legalisierung von Cannabis. Eine Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass 63% gegen die Idee sind.

Cannabis-Geschichte

Wie viele andere europäische Länder hat auch Cannabis in Deutschland eine lange Tradition.

Archäologische Ausgrabungen in Eisenberg, Thüringen (Mitteldeutschland) zeigen, dass Cannabis vor mindestens 7.500 Jahren vorhanden war. In Höhlenwohnungen wurden Samen entdeckt, was darauf hindeutet, dass diese alten Menschen sie im häuslichen Leben verwendet haben könnten. Bei einer weiteren Ausgrabung in Wilmersdorf (heute Teil von Berlin) wurden Cannabissamen in einer Graburne entdeckt, die 2.500 Jahre alt ist.

Vieles deutet darauf hin, dass sie auch danach eine wichtige Rolle im ländlichen Leben Deutschlands spielte. Texte aus dem 12. Jahrhundert, verfasst von der benediktinischen Äbtissin Hildegard von Bingen, behaupten, dass Cannabis "die schlechten Säfte reduziert und die starken verstärkt" und dass es zur Behandlung von Kopfschmerzen verwendet werden könnte. Ihre Forschung wurde von vielen respektiert, obwohl die katholische Kirche gegen den Gebrauch der Droge war.

In den 1400er Jahren war der Gebrauch von Cannabis für medizinische Zwecke bereits gut etabliert. Obwohl die Inquisition versuchte, den Gebrauch traditioneller Kräuterkunde auszumerzen, blieb ihre Praxis in Deutschland bestehen. Dies ist weitgehend den mittelalterlichen Universitäten zu verdanken, die sich sehr darum bemühten, die historischen Praktiken des Landes zu erhalten.

Während dieser Zeit wurde Cannabisöl in großem Umfang zur Behandlung von Entzündungen, Husten, parasitären Infektionen, Gonorrhöe und mehr verwendet.

Von Bedeutung waren auch die Handelsexpeditionen nach Afrika und Asien (um 1500). Die Seefahrer kehrten mit "Indischem Hanf" zurück; es handelte sich dabei um viel wirksamere Cannabis-Sorten. Auch diese wurden in die medizinische Praxis aufgenommen, aber ihr Gebrauch würde sich erst Mitte der 1800er Jahre verbreiten.

Cannabis ging in Deutschland nie wirklich weg. Bis ins 20. Jahrhundert, als die Prohibition zu greifen begann, wurde Cannabis weiterhin als Medizin, Nahrungsmittel und Ritualpflanze geschätzt.

Einstellungen zu Cannabis

Deutschland zeigt eine gemischte Haltung gegenüber Cannabis. Einerseits befürworten zahlreiche Politiker, Wissenschaftler und Menschen die Entkriminalisierung des Freizeitkonsums. Die führende politische Partei (die Christlich-Demokratische Union) und viele Menschen im ganzen Land sind jedoch dagegen, Cannabis zu legalisieren.

Eine Umfrage ergab, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland gegen die Entkriminalisierung des Freizeitkonsums von Cannabis ist. 70% der befragten Frauen befürworteten die Legalisierung nicht, verglichen mit nur 56% der Männer. Ältere Menschen sprachen sich weniger für eine Fortsetzung der Prohibition aus; 72% der über 60-Jährigen stimmten dagegen. Bei den unter 30-Jährigen sprachen sich nur 43% für die Legalisierung aus.

Geldbußen oder Strafen?

Obwohl kleine Mengen von Cannabis für den privaten Konsum toleriert werden, steigt die Zahl der cannabisbezogenen Anzeigen.

Jeder, der mit Cannabis erwischt wird, wird angeklagt, und es wird dann als Strafverfahren betrachtet. Die Staatsanwaltschaft kann diese Anklage annullieren (und stattdessen eine Geldstrafe verhängen). Aber auch nach der Einstellung des Verfahrens bleibt die Anklage noch mehrere Jahre lang in den Akten der Person. Manchmal wird dies sogar auf dem Führerschein der Person vermerkt, selbst wenn sie in einem Fahrzeug kein Cannabis konsumiert hat.

Im Jahr 2017 gab es 209.204 polizeiliche Ermittlungen wegen Cannabiskonsums. Diese Zahlen waren erheblich höher als im Vorjahr. Die Anklagen machten 3,9% aller registrierten Vergehen aus; dies ist einer der häufigsten Ermittlungsgründe.

Das ist ein Thema, das nicht unbemerkt geblieben ist. Die Politikerin Marlene Mortler (Christlich-Soziale Union) schlug stattdessen ein neues System vor, das den Tätern die Wahl lässt, entweder eine Geldstrafe zu zahlen oder Hilfe von Experten zu erhalten. Da jedoch einige Länder in Europa (und anderen Teilen der Welt) den persönlichen Cannabiskonsum vollständig entkriminalisieren, besteht die Möglichkeit, dass Deutschland diesem Beispiel folgt.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert werden?

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels scheint es wahrscheinlich, dass die Grüne Partei in der nächsten Regierung eine Rolle spielen wird. Dies geht aus ihren aktuellen Umfrageergebnissen hervor, die zeigen, dass die öffentliche Meinung über ihre Politik hoch ist. Sollte dies der Fall sein, besteht die Möglichkeit, dass ihr Cannabiskontrollgesetz verabschiedet wird, das den Freizeitkonsum von Cannabis vollständig entkriminalisieren würde.

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